INKLUSIVE FINANZDIENSTLEISTUNGEN

Marktreaktionen auf steigende Zinsen

MICRO AND SME FINANCE 2019

Manche Entwicklungs- und Schwellenländer spüren die Auswirkungen steigender Zinsen in Form teurerer externer Finanzierungen schneller und stärker als andere. Grund ist die unterschiedliche Anfälligkeit dieser Länder für externe Faktoren. Trotz zahlreicher Risiken sollten sich die Belastungen für die Schwellenmärkte aber insgesamt in Grenzen halten, solange die globalen Zinsen nur allmählich steigen.

Das sich abzeichnende Ende der extremen Niedrigzinsphase wird unterschiedliche Auswirkungen auf Länder und Finanzsektoren in aller Welt haben. Das gilt auch für den Mikro- und KMU-Finanzsektor in Entwicklungs- und Schwellenländern, der nicht komplett immun gegenüber globalen makroökonomischen Trends ist.

Philipp Waeber 2

“In welchem Masse und wie schnell die Zentralbanken der Schwellenländer den Vorgaben der US Federal Reserve folgen, wir von der Anfälligkeit dieser Länder für externe Faktoren abhängen.”

Philipp Waeber, Senior Country Risk Officer

Weiterer Anstieg der globalen Zinsen zu erwarten

Der durch die Geldpolitik der US Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank bedingte Anstieg der globalen Zinsen macht Finanzierungen für Finanzinstitute in Entwicklungs- und Schwellenländern teurer – weil internationale Kreditgeber höhere Zinsen verlangen oder weil die Kosten von Inlandsfinanzierungen steigen, in erster Linie über den Einlagenzins.

Die Investitionschance

Durch die steigenden Zinsen kommen höhere externe Finanzierungskosten auf die Entwicklungs- und Schwellenländer zu. Wie stark die Belastung ausfällt, hängt sowohl vom aktuellen Finanzierungsbedarf als auch von der Verschuldung und Schuldenstruktur der Länder ab. Am stärksten betroffen sind zwei Gruppen von Ländern: erstens Länder mit hohen Leistungsbilanzdefiziten, welche Ausdruck eines hohen aktuellen Finanzierungsbedarfs und einer hohen Verschuldung sind, und zweitens Länder mit einem hohen Anteil an variabel verzinslichen Schulden, Verbindlichkeiten mit kurzen Restlaufzeiten und Schulden in ausländischer Währung.

Schwellenländer am robustesten

Länder, die als besonders anfällig für höhere US-Dollar-Zinsen und eine weitere Aufwertung des USD angesehen werden, könnten sich nicht nur mit einem höheren risikolosen Zins konfrontiert sehen, sondern auch mit einem höheren Risikoaufschlag. Die jüngste Krise in der Türkei verdeutlicht viele dieser Aspekte, obwohl sie durch das politische Missmanagement enorm verschlimmert wurde. Höhere Zinsen werden dazu führen, dass der Schuldendienst teurer wird, so dass weniger Einnahmen für Konsum und Investitionen übrigbleiben. Das bremst das Wachstum.

“Wenn die globalen Finanzierungsbedingungen erwartungsgemäss nur allmählich restriktiver werden, erscheint das Gesamtrisiko relativ moderat.”

Philipp Waeber, Senior Country Risk Officer

Trotz zahlreicher Risiken im 90 Entwicklungs- und Schwellenländer umfassenden Anlageuniversum von responsAbility erscheint das Risiko insgesamt eher moderat, wenn die globalen Finanzierungskonditionen wie erwartet nur allmählich restriktiver werden. Diese Einschätzung vertritt auch der Internationale Währungsfonds (IWF). Dieser geht davon aus, dass die Entwicklungs- und Schwellenländer in den nächsten Jahren weiter ein solides Wachstum verzeichnen werden. Sollten die Zinsen aber deutlich schneller steigen als bislang erwartet, könnte das deutlich mehr Länder vor Herausforderungen stellen.

Interessiert an einer Investition im Finanzsektor?

Begrenzte Auswirkungen auf die inländischen Finanzierungskosten

Eine weitere wichtige Frage, nicht zuletzt für die Banken, betrifft die Auswirkungen auf die Finanzierungskosten im Inland. Bei offenen Kapitalmärkten und uneingeschränkten grenzüberschreitenden Kapitalströmen sollten die Zinsen im Inland im Einklang mit den globalen Referenzzinsen oder sogar noch schneller steigen, falls das Risiko einer Abwertung der lokalen Währungen aus Sicht der Kapitalgeber gestiegen ist. Viele unserer wichtigsten Märkte haben jedoch keine vollständig offenen Kapitalmärkte. Das bedeutet, dass die Finanzierungskosten im Inland nicht notwendigerweise im Einklang mit den globalen Referenzzinsen steigen werden.

“Die Zahl der sehr stark betroffenen Länder ist bislang relativ begrenzt.”

Philipp Waeber, Senior Country Risk Officer

durch kommt es zu sehr unterschiedlichen Entwicklungen auf regionaler und Länderebene:

  • Aufgrund der offeneren regionalen Kapitalmärkte und der engeren Bindung der regionalen Volkswirtschaften an die US-Wirtschaft finden sich viele der Märkte, in denen die inländischen Finanzierungskosten am stärksten steigen, in Lateinamerika (Argentinien, Costa Rica, Mexiko).
  • Asiatische Märkte haben generell mehr Kapitalverkehrskontrollen; in letzter Zeit haben die Währungen einiger dieser Länder jedoch stark abgewertet, so dass diese Märkte den Fed-Vorgaben gefolgt sind – dazu zählen Indien, Indonesien und die Philippinen.
  • Rohstoffexportierende Länder folgen gewöhnlich einem eigenen Zyklus. Hier haben die Zentralbanken die Finanzierungsbedingungen gelockert, nachdem der vorhergehende Rohstoffpreisschock allmählich absorbiert und die Inflation gezähmt worden sind.

“Wir gehen davon aus, dass die restriktiveren externen Finanzierungskosten mit der Zeit zu steigenden inländischen Finanzierungskosten führen werden.”

Philipp Waeber, Senior Country Risk Officer

Mittelfristiger Anstieg der Kosten von Inlandsfinanzierungen erwartet

In welchem Masse und wie schnell die Zentralbanken der Schwellenländer den Vorgaben der US Federal Reserve folgen werden, wird von ihrer Anfälligkeit für externe Faktoren abhängen. Bislang ist die Zahl der sehr stark betroffenen Länder noch relativ begrenzt und viele Märkte sind (noch) nicht in die Fussstapfen der Fed getreten. Da aber die Kapitalmärkte unserer Investitionsmärkte nicht komplett abgeschottet sind, gehen wir davon aus, dass die restriktiveren externen Finanzierungskosten bei ansonsten unveränderten Bedingungen mit der Zeit auch zu höheren Finanzierungskosten im Inland führen werden.

Der Autor

Philipp Waeber beobachtet Länderrisiken für das responsAbility-Portfolio. Dazu führt er auf Basis von Informationen aus zahlreichen Quellen einschliesslich eines grossen Netzwerks von Länderexperten quantitative Bewertungen mit qualitativem Overlay durch

DIE MSME FINANCE 2019 REIHE: DIE NÄCHSTEN THEMEN

II STEIGENDE RENDITEN AUS MSME-PORTFOLIOS

Die meisten MSME-Finanz-Portfolios bestehen überwiegend aus kurzfristigen Krediten. Wenn die Leitzinsen steigen, können MSME-Finanz-Investoren den Anteil der variabel verzinslichen Kredite erhöhen. Gleichzeitig können MSME-Finanz-Investoren mit Krediten mit festen Auszahlungen die Ertragsschwankungen begrenzt halten und häufig langfristig bessere Ergebnisse erzielen als mit variabel verzinslichen Krediten. Wir schauen uns an, wie Portfoliomanager den Anteil fest- und variabel verzinslicher Kredite anpassen, wenn sich die globalen Referenzzinsen ändern.

III ANPASSUNGEN DER ALLOKATIONEN IN MÄRKTE UND GESCHÄFTSMODELLE

Asset Manager müssen in der Lage sein, im jeweiligen Wirtschafts- und Marktkontext Geschäftsmodelle zu analysieren, und ihr jeweiliges Engagement anpassen. Portfoliomanager, die diese historische Verschiebung erfolgreich adressieren, tragen nicht nur zur Wertsicherung für Investoren bei, sondern stellen auch langfristige Unterstützung für Millionen von einkommensschwachen Haushalten und KMU bereit. Wir sehen uns an, wie die Anpassungsfähigkeit einzelner MSME-Finanzinstitutionen mit ihrer Kundenbasis und Asset-Liability-Struktur variiert.