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Nein zu Impact-Investments mit wenig Wirkung

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Viele Impact-Investoren, die keinen zweiten Gedanken an Anlagen mit einer unterdurchschnittlichen Rendite verschwenden würden, übersehen, welche Möglichkeiten es gibt, um potenziell gute «Impact-Renditen» zu identifizieren. Das Interesse an wirkungsorientierten Impact-Investments ist grösser denn je – Grund genug für Investoren, auch in dieser Hinsicht anspruchsvoller zu werden, schreibt Paul Hailey, Head of Impact bei responsAbility.

In den vergangenen Jahren sind immer mehr Anlagegelder in Impact-Investments geflossen. Gleichzeitig bemühen sich Unternehmen in aller Welt zu zeigen, wie sie zu den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen beitragen. Investoren, die keine Abstriche bei der finanziellen Rendite machen würden, sollten sich auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeitswirkung ihrer Anlagen nicht mit Underperformern zufriedengeben.

«Investoren sollten sich auch bei der Nachhaltigkeitswirkung ihrer Anlagen nicht mit Underperformern zufriedengeben.»

Paul Hailey, Head of Impact

Die 17 SDGs (mit 169 Unterzielen und 225 Indikatoren) sind ein universelles Rahmenwerk, das den Weg in eine von Wohlstand, Gerechtigkeit und Lebensqualität für alle gekennzeichnete Welt aufzeigt und an dem sich auch Investoren orientieren können und sollen.

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Wie die Umfrage des Global Impact Investing Network 2018 zeigt, ist das in Impact-Investments angelegte Vermögen dramatisch – auf über USD 220 Milliarden – gewachsen. Doch das deutlich gestiegene Anlegerinteresse und das insgesamt grössere Bewusstsein für Nachhaltigkeit bringen auch Risiken mit sich. So sieht die Impact-Investing-Branche angesichts der Fülle von Initiativen, die es in diesem Bereich inzwischen gibt, ein zunehmendes Risiko des «Impact-Washing»: Es wird befürchtet, dass zu viele die Gelegenheit nutzen, auf diesen Zug aufzuspringen, und traditionellen Aktien- und Anleihenportfolios einfach den Stempel «SDG Investing» oder «Impact Investing» aufdrücken.

Aber welche Bedeutung hat das? Nun, Impact ist gleichbedeutend mit einer messbar positiven Wirkung. Ein Investment in ein Portfolio von Aktien aus dem FTSE 100, dem CAC 40 oder dem S&P 500 mag eine negative Wirkung vermeiden und damit die Grundvoraussetzung der meisten ESG-Strategien erfüllen. Aber die meisten Aktien, die als «Impact-Investments» vermarktet werden, gehören zu Unternehmen, für die die Nachhaltigkeitswirkung kein zentrales oder bedeutendes geschäftliches Ziel ist.

«Wie gross ist die Wirkung Ihrer Anlagen, wenn Sie Ihr Geld in Google, Microsoft oder Apple stecken – ganz egal, wie sehr das iPhone die Welt Ihrer Meinung nach bereichert hat?»

Paul Hailey

Ausserdem: Wie gross ist die Wirkung Ihrer Anlagen, wenn Sie Ihr Geld in Google, Microsoft oder Apple stecken – ganz egal, wie sehr das iPhone die Welt Ihrer Meinung nach bereichert hat? Tatsächlich übersehen viele Impact-Investoren, die keinen zweiten Gedanken an Anlagen mit einer unterdurchschnittlichen Rendite verschwenden würden, welche Möglichkeiten es gibt, um potenziell gute «Impact-Renditen» zu identifizieren.

Wie in den SDGs selbst deutlich wird, betrifft der offensichtlichste Wirkungsbereich natürlich die Entwicklungs- und Schwellenländer. Und auch wenn es in den meisten Schwellen- und Frontiermärkten nicht viele börsengängige Lösungen gibt, können Investoren, die bereit sind, in Private Debt und Private Equity zu investieren, aus einer Vielzahl von Optionen wählen.

«Wie in den SDGs selbst deutlich wird, besteht in Entwicklungsländern das grösste Verbesserungspotenzial.»

Paul Hailey

Mikrofinanzinstitutionen, KMU-Banken, nachhaltige landwirtschaftliche Kooperativen und Verkäufer netzunabhängiger Energielösungen sind in den vergangenen zehn Jahren allesamt deutlich investierbarer geworden (mein eigenes Unternehmen ist seit inzwischen 15 Jahren in diesem Bereich aktiv). Und: Diese Geschäftsmodelle zielen direkt auf den Kern der SDGs ab – einkommensschwache Haushalte und KMU in den Entwicklungs- und Schwellenländern. Das Interesse an wirkungsorientierten Impact-Investments ist grösser denn je – Grund genug für Investoren, auch in dieser Hinsicht anspruchsvoller zu werden.

Paul Hailey

Der Autor

Paul Hailey ist Head of Impact bei responsAbility Investments und Autor diverser Publikationen und Artikel. Vor dem Wechsel in seine derzeitige Position war er bei responsAbility unter anderem als Senior Research Analyst für den Finanzsektor tätig. Er hält einen MBA von der École des Hautes Études Commerciales de Paris (HEC Paris), wo er zudem als Dozent tätig ist, und einen B.A. (Hons) vom Pembroke College der Universität Cambridge.